Geistliche Impulse

Impuls und Film Pfingsten

Warum ist eigentlich ausgerechnet eine Taube das Symbol für den "Heiligen Geist"? Pfarrer Matthias Marx hat im Beitrag "AUS CHRISTLICHER SICHT" zum Pfingstfest die Antwort darauf.

https://www.ardmediathek.de/sr/video/aus-christlicher-sicht/aus-christlicher-sicht-28-05-2020/sr-fernsehen/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9BQ1NfODgyNzI/
 
 

Pfingsten

„Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“ So steht es geschrieben im Buch Jesaja.

Hierbei handelt es sich eigentlich um eine klassische Bibelstelle der Adventszeit. Und doch gewinnt dieser Vers für mich in den letzten Wochen und Monaten immer mehr an Bedeutung, auch mit Blick auf das bevorstehende Pfingstfest. Man könnte den Eindruck haben, der Prophet Jesaja hätte diesen Vers für uns geschrieben. So beschreibt es doch für viele Menschen ihre jetzige Situation und Stimmungslage.

Ich denke hierbei an alle Menschen, die sich seit Wochen für andere aufopfern durch ihren Dienst in den Krankenhäusern und Altenheimen, in den Kitas, in der Seelsorge, in den Supermärkten. Die Lage war und ist teilweise unerträglich.

Ich denke an die Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, weil sie in Kurzarbeit mussten, oder ihr Geschäft nicht aufmachen durften.

Ich denke an die alten und kranken Menschen, an die Risikogruppen. Auch für sie werden hoffentlich wieder bessere Tage kommen.

Ich denke an die Menschen, die Ängste haben und sich sehnen nach Normalität.

Aber es gibt auch diejenigen, die immer noch nichts verstanden haben. Sie glauben im Licht zu sein und doch wandeln sie weiter im Dunkeln mit ihren Verschwörungstheorien. Sie machen die Menschen verrückt und zeigen offenkundig ein Bild der Gesellschaft auf, dass wir keineswegs wollen.

Und alles konzentriert sich hin auf das Pfingstfest.

„Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.  Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.  Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.  Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

Diese Verse aus der Apostelgeschichte beschreiben mit wenigen Worten das großartige Ereignis von Pfingsten. Sie rütteln auf und führen heraus aus einer teilweisen Gelähmtheit, der zuvor beschriebenen Situationen. Der Geist rüttelt uns wach und erfüllt uns mit Mut und neuer Kraft, vor allem aber auch mit Einsicht und Verstand. Es ist von einer Gemeinschaft die Rede, die etwas verstanden hat, die sich versteht und in sich stimmig ist, die gemeinsam auf einen Nenner kommt. Pfingsten ist das Fest, dass uns Einheit vermittelt. Denn schließlich sitzen wir alle gemeinsam in einem Boot oder wie Jesaja schreibt als ein Volk, dass sich in der Dunkelheit sehnt nach Licht. Und am Ende des Tunnels leuchtet uns ein Licht auf, immer und immer wieder. Vergessen wir das nicht.

Ich wünsche uns diese Geschlossenheit von Pfingsten, den Durchbruch, trotz scheinbar unterschiedlichen Sprachen, uns zu verstehen als eine Einheit und Gemeinschaft. Ich wünsche uns den Geist der Kraft und des Mutes, dass wir auch diese Krise gemeinsam überstehen. Ich wünsche uns den Geist der Weisheit, manchmal zu denken, bevor wir reden. Ihnen allen ein frohes Pfingstfest!

„Auf dem Antlitz der Kirche erstrahlt das Licht Christi.“

Dieser, wie ich finde, wundervolle und ausdrucksstarke Satz befindet sich in den Texten des II. Vatikanischen Konzils, genauer in den Einleitungsworten der Kirchenkonstitution „Lumen gentium“.

Wenn die Konzilsväter vom Antlitz der Kirche sprechen, meinen sie nicht das Gebäude, sondern die konkreten Menschen, die zu ihr gehören.

Das Licht Christi soll auf den Gesichtern der Menschen erstrahlen, die Kirche ausmachen und sein wollen.

In unseren Gesichtern soll Gott erstrahlen, spürbar und greifbar sein.

Gott ist in jedem von uns und wirkt auch durch uns. Wenn Menschen mit Kirche, mit uns in Berührung kommen und in unsere Gesichter schauen, sollen sie etwas von diesem Licht Christi sehen und erkennen.

In den vergangenen Wochen war davon einiges zu spüren. Viele konnten nur durch kleine Gesten oder ein Lächeln auf Abstand etwas von der Osterfreude weitergeben.

Behalten wir uns diese Eigenschaft bei und lassen wir uns immer wieder hinterfragen: Ist an mir und dir wirklich das Licht Christi sichtbar?! Strahlen wir etwas von der Liebe Gottes aus?!

Vielleicht können diese Gedanken auch auf dem weiteren Weg, hin zu einer neuen Pfarrei, ermutigen, aber auch unser Anspruch und Maßstab sein.

Es geht nicht immer um unsere eigenen Interessen und Neigungen, sondern vielmehr um die Größe Gottes. Er muss leiten und führen. Es ist die Chance, ihn durch uns wirken zu lassen.

 

Immer wenn Frère Roger, der Gründer und Prior der Gemeinschaft von Taizé die Kirche beim Gottesdienst betrat, lief vor ihm eine Schar Kinder. Dabei legte er die Hand auf die Schulter eines Kindes. Ist es nicht ein starkes Zeichen, auf was es ankommt?! „Der der führt, lässt sich führen.“ Auch Leitung muss sich führen lassen.

Es gibt ihn doch – den Engel!

Schon oft habe ich von ihm gehört, doch gesehen habe ich ihn noch nie, den Engel.

Es wird erzählt, dass er Menschen in Not hilft und dort zu finden ist, wo man ihn am Meisten braucht, der Engel.

Es wird erzählt, dass er dort ist, wo Menschen Entscheidungen treffen müssen; er unterscheidet die Geister, der Engel.

Eines Nachts träumt Jonas von Tim, der mit seinen Hausaufgaben nicht zurechtkommt. Am nächsten Tag telefonieren und skypen die beiden Jungs miteinander und besprechen die Aufgaben.

In der darauffolgenden Nacht träumt er von seiner Oma, die wegen der Coronakrise nicht vor die Tür gehen kann. Sie hat keine Vorräte mehr. Am nächsten Tag zieht Jonas seine Maske an und geht für die Oma einkaufen.

Auch in den kommenden Nächten träumt Jonas ähnliche Situationen. Das alles nimmt ihn ziemlich mit.

In der nächsten Nacht träumt er von dem Engel, von dem er schon so viel gehört hat. Gesehen hat er ihn noch nie. In seinem Traum redet er mit ihm, dem Engel und sagt:

„Kannst du nicht etwas gegen das Virus tun?!“

Der Engel antwortet: „Nein das kann ich nicht. Es steht mir nicht zu in den Verlauf des Lebens und die Natur einzugreifen. Aber ich kann etwas für Zusammenhalt und Gemeinschaft, für Freundschaft und Liebe tun. Ich kann mich in der Welt umsehen und um mich herum, schauen, wer meine Hilfe braucht.“

Am nächsten Morgen schaut Jonas in den Spiegel.

Endlich! Schon oft hat er von ihm gehört, dem Engel, gesehen hat er ihn noch nie. Aber jetzt hat er es verstanden. Ich kann für den Anderen ein Engel sein.

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